Rote Kathedrale Titel
Lesezeit: 6 Minuten

Die Rote Kathedrale war eines der Highlights der diesjährigen SPIEL21 in Essen. Das zeigte auch das Endergebnis der Scout-Aktion der Zeitschrift FAIRPLAY. Hier landete das Spiel es auf Platz 3 und das, obwohl am Kosmos-Stand angeblich nur sechs oder sieben Exemplare zur Ausleihe verfügbar waren. Wir hatten Glück. Unser Exemplar bekamen wir bereits vor der Messe im Rahmen der Kosmos-Neuheitenpräsentation und es ist seitdem nicht mehr von unserer Spiele-Liste wegzudenken. Aber keine Angst, im November 2021 soll es im Fachhandel und online für alle verfügbar sein. Eine Fan-Gemeinde hat das neue Kennerspiel Die Rote Kathedrale bereits heute.

Rote Kathedrale Cover

Name: Die Rote Kathedrale

Für 1 bis 4 Spieler, ab 12 Jahren

Autoren: Pedro Soto und Chema Román

Illustration: Michaela Kienle

Verlag: Kosmos

Spieldauer: ca. 60-90 Minuten

Platzbedarf: ca. 70×60 cm

Verlagstext

Ein Prunkbau für Moskau muss her! Zar Iwan IV., genannt „der Schreckliche“, lässt im 16. Jahrhundert die rote Basilius-Kathedrale errichten. Als Bauleute und Handwerker folgt ihr seinem Wunsch und plant und baut, was das Zeug hält. Doch wer von euch trägt am meisten zu den Türmen der Kathedrale bei und bringt die schönsten Verzierungen an?

Beschafft euch auf dem Markt das beste Baumaterial, nutzt geschickt eure Verbindungen zu den Gilden und zum Klerus und vergrößert so euer Ansehen. Wer wird bei der Fertigstellung der roten Kathedrale den meisten Ruhm des Zaren erlangen?

Quelle: Kosmos Verlag, Stuttgart

Spielablauf bei Die Rote Kathedrale

Die Kathedrale, die wir bauen sollen, besteht aus je 6 Karten pro Spieler. Bei zwei Spieler also 12, bei drei 18 und bei vier Spieler 24 Karten. Eine Kathedrale besteht dabei aus mehreren Türmen, jeweils bestehend aus Unterteil (Tür), Mittelteilen und Spitzen. Das ist die Auslage, die wir beliefern und bauen müssen, um dadurch Punkte und Einkommen zu generieren. Um einen Bauabschnitt (Karte) zu bauen, müssen wir diesen zunächst für uns beanspruchen und anschließend die geforderten Ressourcen dafür abgeben. Dann erhalten wir eine Belohnung (Punkte und/oder) Geld. Sobald ein Spieler sechs Bauabschnitte vollendet hat, endet das Spiel mit einer Mehrheiten-Wertung der einzelnen Türme der Kathedrale.

Soweit also ganz grob unser Ziel. Doch wie kommen wir dorthin? Es gibt drei verschiedene Aktionen, von denen wir in unserem Zug genau eine ausführen dürfen. Da der Bau eines Abschnitts der Kathedrale immer Ressourcen verlangt, die wir zunächst und immer wieder nicht haben, wählen wir die Aktion „Ressourcen erhalten“.

Aktion 1: Ressourcen sammeln

Ressourcen bekommen wir auf dem zentralen Spielplan. Dort haben wir ein Rondel aus acht Segmenten, je zwei pro Viertel. Um eine Ressource zu bekommen, wählen wir einen der fünf Würfel und ziehen diesen entsprechend seiner Augenzahl vorwärts. Anschließend bekommen wir die ein oder zwei Ressourcen des Segments, in dem der Würfel landet.

rote Kathedrale RondelBeispiel (Bild): Wir ziehen den grünen Würfel um zwei Felder vorwärts und bekommen dann zwei Steine. Würden wir den roten Würfel um ein Feld bewegen, würden wir einen grünen Edelstein bekommen. Da aber beim grünen Edelstein bereits zwei Würfel liegen (blau, grün), bekommen wir drei Edelsteine! (Anzahl Würfel dienen als Multiplikator in einem Segment) nachdem wir unsere Ressourcen erhalten haben, werfen wir alle Würfel des ausgelösten Segments neu.

Zusätzlich können wir nach dem Bewegen eines Würfels noch Sonder-Aktionen ausführen. Diese richten sich nach dem Quartal, in dem der gezogene Würfel landet (Karten in den Ecken). Die sind meist Ressourcen-Tauschaktionen oder zusätzliche Bauaktionen und/oder Punkte.

Alle Ressourcen, die wir erhalten, lagern wir auf unserem Spieler-Tableau. Dort stehen uns zu Spielbeginn sechs von zehn Lagerplätzen zur Verfügung. Die vier anderen Lagerplätze sind noch blockiert.

Aktion 2: Bauplätze beanspruchen

Rote Kathedrale TableauUm einen Bauplatz zu beanspruchen, wird ein eigener Marker (Fahne) vom Spieltableau auf die entsprechende unbesetzte Baukarte in der untersten freien Reihe eines Turmes gelegt. Der dort liegende Marker darf auf dem eigenen Spiel-Tableau platziert werden. Dieser Marker löst je nach Farbe des bewegten Würfels beim Ressourcensammeln eine zusätzliche Ressourcenausschüttung aus. Mit dem Ablegen des Markers auf einem Bauplatz kann dieser von keinem anderen Spieler mehr beansprucht werden.

(Im Bild, links: Wenn Spieler Rot den grünen Würfel bewegt, bekommt er zusätzlich 1x Holz. Beim blauen Würfel wäre es 1x Gold, extra)

Aktion 3: Bauabschnitt fertigstellen

rote kathedrale bauplätzeMit dieser Aktion können wir jetzt beanspruchte Bauplätze mit Ressourcen beliefern und so diesen Bauabschnitt fertigstellen. Jede Bauabschnittskarte zeigt genau an, welche Ressourcen geliefert werden müssen. Wer liefert, muss nicht alle zur Fertigstellung benötigten Ressourcen liefern. Es kann auch nur eine Teillieferung stattfinden oder mehrere Bauplätze teilbeliefert werden. Dabei dürfen jedoch maximal drei Ressourcen pro Spielzug geliefert werden. Ist ein Bauabschnitt komplett beliefert, kommen die Ressourcen zurück in den allgemeinen Vorrat und der Spieler erhält den auf der Karte angegebene Geld- und Punktebonus. Anschließend wir die Karte auf ihre farbige Seite umgedreht. Der eigene Marker bleibt für die Endwertung auf dem Bauabschnitt liegen.

Alternativ können auch fertige Bauabschnitte noch einmal beliefert werden, um diese zu verzieren. Eine Verzierung erhöht bei Spielende den Wert eines Turmes und bringt zusätzlich Punkte.

Apropos Punkte. Von diesen gibt es zwei unterschiedliche im Spiel, wie unschwer auf der Kramerleiste zu sehen ist. Zum einen sind dies die „Baupunkte“ und die für das Spielende relevanten „Ruhmespunkte“ (mit Adlersymbol). Baupunkte bekommt man in der Regel durch das Fertigstellen von Bauabschnitten und Ruhmespunkte für besondere Verzierungen an den Türmen. Am Ende des Spieles zählen aber nur noch die Ruhmespunkte.

Unsere Meinung zu Die Rote Kathedrale

Das Erste, was jedem sofort auffällt, ist die kleine Box. Deutlich kleiner als das klassische 30×30 cm Format. Kosmos geht hier neue Wege und will zukünftig auf Nachhaltigkeit achten. Wir müssen uns also an kleinere Boxen bei Kosmos-Spielen einstellen. Ein guter und wichtiger Schritt, den die Stuttgarter hier gehen.

Nach dem Öffnen der Schachtel die nächste Überraschung. Kein Inlay, nur Spielplan, Regeln und Material. Schaut man sich jetzt den Umfang des Materials an, könnte man meinen, dies hätte mit einem entsprechenden Inlay auch gut in einer großen Schachtel Platz gefunden. Nur wozu? Um als Kenner-Spiel zu gelten? Um einen Preis zu rechtfertigen? Um einen gewissen Anspruch zu suggerieren? Alles Gedanken und Fragen, von denen wir uns verabschieden müssen. Quantität und Größe haben rein gar nichts mit Qualität und Anspruch eines Spiels zu tun. Es zählen heute nur harte spieltechnische Fakten.

Die Solo-Variante haben wir nicht ausprobiert, da wir nicht so die Solo-Fans sind. Aber alle anderen Besetzungen haben wir mehrfach gespielt. Dabei fällt auf, dass es zu zweit wesentlich taktischer gespielt werden kann, da es relativ wenig Bewegung bei den Würfeln kommt. Zu dritt und vor allem zu viert passiert hier schon deutlich mehr, was sich auch auf die Taktik auswirkt. Ein weiterer Punkt im Bezug auf die Spielerzahl ist die Spielzeit. Sitzt mindestens ein Grübler am Tisch, kann sich gerade die Partie zu viert ziemlich in die Länge ziehen, wenn er versucht, jede Zugoption zu beleuchten und den potenziellen Erfolg seines Zuges zu berechnen. Auch wenn es nur drei Aktionsmöglichkeiten sind, diese bieten viel Spielraum für taktische Überlegungen. Ich persönlich spiele hier immer aus dem Bauch in eine grobe taktische Richtung, die ich mir vorher zurechtgelegt habe und verzichte so auf zu viel Grübelei zugunsten eines flüssigen Spiels.

Faszinierend an Die Rote Kathedrale ist, wie viel Spieltiefe mit nur drei Aktionsmöglichkeiten erreichbar ist. Wenn man dabei noch bedenkt, dass zwei Aktionen relativ einfach und schnell abzuhandeln sind. Einzig die Ressourcen-Aktion kann etwas länger dauern, da sie auch einige entscheidende Überlegungen abverlangt. Diese können dann auch spielentscheidend sein. Und genau hier ordnet sich das Spiel dann nicht mehr als reines Familienspiel ein. Die Anforderungen sind schon etwas höher, deshalb ist die Einordnung als Kennerspiel durchaus berechtigt. Wenngleich wir es im unteren Kennerspielbereich einordnen würden.

Fazit

„Klein aber O-ho“ – Die Krux an diesem Kennerspiel ist ganz klar das Timing. Wann mache ich welche Aktion? Habe ich die Ressourcen, die ich brauche? Kann ich Sonderaktionen oder Boni zu meinem Vorteil nutzen? Was machen meine Gegenspieler? Diese Fragen führen zu einem komplex wirkenden Spielablauf bei einfachen Grundregeln und Aktionsmöglichkeiten. Immer wieder gibt es Wendungen, wenn Mitspieler einen Würfel bewegen und dessen Augenzahl sich ändert. Improvisation, Aktion, Reaktion sind neben Planung und Würfelglück die Schlüssel zum Erfolg.

Die Rote Kathedrale hat uns von der ersten Partie an begeistert und zu recht ist es eines der wenigen Highlights der diesjährigen Spiele-Messe.

© 28.10.2021 Oliver Sack – Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Kosmos / Fotos: © Oliver Sack

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1 Kommentar

  1. ja absolut ein Highlight. Der Spielablauf ist mal was anderes und man hat bis zum Schluß Spannung wer nun gewinnt.
    Ich denke auch der Langzeit Spielspass ist bei dem Spiel gegeben, weil der Aufbau immer wieder anderst ist.

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