besondere RezensionenImmer wieder begegnen uns „hilfreiche“ Rezensionen bei diversen Online-Händlern. In unserer Reihe „Neues vom SpieltischRand“ möchten wir mal schauen, mit welche tollen Rezensionen der Otto-Normal-Konsument beim Online-Händler mit dem großen „A“ konfrontiert wird. Ob alle Rezensionen dort hilfreich sind glaubt sicher keiner. Ein Großteil ist sicher OK, von Käufer zu Käufer. Aber schaut man mal bei Bewertungen mit nur einem oder zwei Sternen, findet man mitunter recht unterhaltsame Dinge, über die wir Vielspieler vielleicht noch am ehesten schmunzeln können. Da wir bei dieser Zufalls-Recherche selber viel lachen und den Kopf schütteln mussten, haben wir uns mal von den 12 aktuellen „Spiel des Jahres“ Preisträger die jeweils „beste“ Rezension herausgesucht. (Geklaut, Copy & Paste und für gut befunden) Das manche Aussage dann tatsächlich noch als „hilfreich“ eingestuft wird, erschließt sich uns nicht. Viel Spaß, Kopfschütteln erwünscht.

Hilfreich oder nicht?

2007 – Zooloretto (Michael Schacht, Abacus, 3-5 Spieler, ab 8 Jahren)

„Sehr anspruchslos und unspannend. Es fehlt ein aktueller Punktezähler, oder man muss alle Punkte, auch die der Gegner im Kopf ausrechnen. Man hat sehr wenig Möglichkeiten und kann nur dem Spielfluss folgen und wenn alles vorbei ist die Punkte zusammenzählen um rauszufinden wer gewonnen hat.“

 

2008 – Keltis (Reiner Knizia, Kosmos, 2-4 Spieler, ab 10 Jahren)

„Das Spiel ist sehr kompliziert. Man kann nicht einfach drauflos spielen. Nur für Spieleprofis geeignet. Wir haben aufgegeben und es weiterverschenkt.“

 

2009 – Dominion (Donald X. Vaccarino, Hans im Glück, 2-4 Spieler, ab 8 Jahren)

„Das Spiel besteht erstmal nur aus Karten, das ist zu Beginn für einen Spielefan dann doch etwas enttäuschend, man erhofft sich bei der Aufmachung irgendwie mehr…“

Anmerkung: In vielen Würfelspielen sind auch nur Würfel drin….

 

2010 – Dixit (Jean-Louis Roubira, Libellud, 3-6 Spieler, ab 8 Jahren)

„Das Spiel ist schön gemacht. Die Karten sehen toll aus. Das war es aber auch schon. Wahrscheinlich braucht man viel Kreativität. Wir haben sie wohl leider nicht.“

 

2011 – Qwirkle (Susan McKinley Ross, Schmidt, 2-4 Spieler, ab 8 Jahren)

„Wir wollten nicht mit Zettel und Stift spielen. Da versuchten wir neue Regeln zu finden – ohne Erfolg. Jetzt liegt es im Schrank herum und wir spielen wieder Karten.“

 

2012 – Kingdom Builder (Donald X. Vaccarino, Queen Games, 2-4 Spieler, ab 8 Jahren)

„Mir gefällt dieses Spiel nicht. Ich dachte es hätte Ähnlichkeit mit Catan, aber leider nein. Schon nach 15 Minuten Spielzeit sind wir dank der unklaren Regeln des Spiels bereits 3-mal aneinander geraten.“

„Also wir (3 Akademiker) haben dieses Spiel nicht verstanden. Wer diese konfuse Spielanleitung mit 8 Jahren versteht, den schlage ich doch gleich mal für den Jugendliteraturpreis in der Disziplin Interpretation vor.“

 

2013 – Hanabi (Antoine Bauza, Abacusspiele, 2-5 Spieler, ab 8 Jahren)

„Bei einer Bestellung ist mir dieses Spiel mal dazwischen gekommen. Nachdem wir sehr gerne spielen, haben wir es auch gleich bestellt. Jedoch muss ich sagen, mir gefällt es absolut nicht. Es gibt keinen Gewinner, was sehr unüblich ist fürs spielen.“

 

2014 – Camel Up (Steffen Bogen, Eggertspiele/Pegasus Spiele, 2-8 Spieler, ab 8 Jahren)

„Wir haben das Spiel als Geschenkt erhalten, nach aufmerksamen lesen und Youtube Aufklärung mussten wir leider feststellen, dass es sich hierbei um ein ZOCKER Spiel handelt (angeblich für Kinder). Das Spiel ist langweilig und kompliziert, des Weiteren habe ich kein Interesse meinen Kindern von klein auf das ZOCKEN beizubringen.“

 

2015 – Colt Express (Christophe Raimbault, Ludonaute, 2-6 Spieler, ab 10 Jahren)

„Spiel ist OK, aber dass sie mit DHL liefern mussten lässt nur 2 Sterne zu…Hätte ich vorher gemerkt, dass über DHL geliefert wird, hätte ich es nicht bestellt.“

 

2016 – Codenames (Vlaada Chvátil, Czech Games Edition, 2-8 Spieler, ab 14 Jahren)

„Entweder haben wir die Bedienungsanleitung nicht verstanden, oder es ist wirklich einfach nur langweilig. Die Gruppe die beginnt hat immer in einem Durchgang gewonnen!“

Anmerkung: dazu sage ich nur „Respekt!“

 

2017 – Kingdomino (Bruno Cathala, Pegasus Spiele, 2-4 Spieler, ab 8 Jahren)

„An sich voll das coole Spiel und 5 Sterne wert, es war aber leider nicht alles in der Packung, was angegeben war, der Wertungsblock fehlt.“

 

2018 – Azul (Michael Kiesling, Next Move, 2-4 Spieler, ab 8 Jahren)

Hier gibt es bisher zu wenig „verwertbare“ Rezensionen auf dem Online-Portal.

Dann war da noch ...

The Game:

„Leider habe ich verloren… Daher- doofes Spiel weil man keinen echten Gegner hat und nur gegen „The Game“ spielen muss!!! Krampf!…“

 

Catan:

„Dieses ‚Spiel‘ produziert – ganz im Trumpschen Sinne – einen Sieger und viele Verlierer.
Es bedient sich ohne großer Kosten – Würfelglück – der Ressourcen dieser Erde und raubt – Räuber – spielregellegitimiert den Mitspielern, was sie auf der Hand haben, ohne je dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Somit blüht Rache und beständiges Gegeneinander; dazu Versuche – corrigez la fortune – sich hier und da eine Karte zu stibitzen, wenn alle wegschauen. (Diesel-Affäre)“

 

Targi:

„Das Spiel erinnert sehr an das Brettspiel zu ‚Die Säulen der Erde.‘ Nur mit Karten. Passt nicht auf unseren (gar nicht mal so kleinen) Küchentisch.“

In der Reihe „Neues vom SpieltischRand“ sind bereits erschienen:
#01 Der „Passiv-Spieler“
#02 Der „Denker“
#03 Das „Opfer“
#04 Der „Regel-Erklärer“
#05 Der Würfel

© Oliver Sack, 19.08.2018 – Titelbildmontage/Fotos soweit nicht anders angegeben: Oliver Sack – Alle Rechte vorbehalten. – Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung.