Kartenspiele
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Wer Kartenspiele für Glücksspiele hält, der kann nicht richtig mischen!

Kartenspiele für zwischendurch und unterwegs sollten bekanntlich zwei Kriterien erfüllen. Sie sollten kompakt, einfach und unterhaltsam sein. Das haben wir ja mal so festgelegt.

Genau vor zwei Jahren haben wir dazu unsere persönliche Top10 Liste veröffentlicht. Da dieser Beitrag und die Liste von 2020 bis heute sehr beliebt sind, haben wir uns noch einmal überlegt, was in den letzten 12 Monaten so auf unseren Tischen war. Trotz Corona! Herausgekommen ist dabei eine neue Top10 unserer Kartenspiele für 2021. Es sind wieder ein paar neue Spiele hinzugekommen und ein paar wenige sind herausgefallen. Letztere nicht, weil sie nicht (mehr) gut sind, nein, vielmehr weil sie nicht mehr so häufig auf unserem Tisch gelandet sind.

Grundlage für unsere diesjährige Kartenspiele-Top10 sind unsere kleinen Spielrunden auch wenn diese wieder vom Corona-Virus ein wenig sabotiert wurden. Aber immer noch gilt, dass die nachfolgend erwähnten Kartenspiele als Aufwärmer, Absacker oder Dauerbrenner immer beziehungsweise, immer noch, sehr gefragt sind.

Jetzt also unsere aktuelle Top10 für 2021 der Kartenspiele (in alphabetischer Reihenfolge). Wie es nächstes Jahr ausschaut, weiß ich nicht. Wir werden uns die Liste 2022 aber sicher wieder anschauen und auf (unseren) neuesten Stand bringen.

Einige der Top10-Titel haben wir bereits besprochen. Die entsprechenden Links führen direkt zu unseren Beiträgen.

Artischocken - Amigo

Artischocken (Emma Larkins, Amigo)

Jeder, der Deckbuilding Spiele kennt, weiß sofort, wie alles funktioniert. Wir starten mit 10 Karten, allesamt Artischocken. Davon nehmen wir 5 auf die Hand, die restlichen 5 bilden unseren Nachziehstapel. Die übrigen (Gemüse-)Karten werden als allgemeiner Nachziehstapel gemischt und bereitgelegt. Von diesem Gemüsestapel bilden 5 Karten den Markt, die allgemeine offene Auslage. Zack! Und schon ist man startklar.

Was dann kommt, ist recht einfach. Wer am Zug ist, nimmt eine der offenen Karten auf die Hand und darf anschließend beliebig viele Karten aus der eigenen Hand ausspielen und die zugehörigen Aktionen ausführen. Ziel ist es dabei, möglichst viele Artischocken aus dem eigenen Bestand loszuwerden. Nicht alle, aber viele! Kann oder will man keine Karten mehr aus der Hand spielen, endet der Spielzug. Dann werden alle Handkarten und die ausgespielten Karten abgelegt und die Kartenhand wieder auf 5 Karten aufgefüllt. Hat man jetzt in dieser Phase keine Artischocken mehr auf der Hand, endet das Spiel sofort und man hat gewonnen.

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Biss 20 Box

Biss 20 (Lena & Günter Burkhardt, Drei Magier)

Bei diesem kooperativen Kartenspiel machen wir eigentlich nichts anderes, als reihum gemeinsam von 1 bis 20 zu zählen. Mehr nicht. Haben wir das geschafft, haben wir zwar nicht gewonnen, aber haben schon das Spielprinzip verstanden und es kann richtig losgehen.

Vor jeder Zählrunde kommen Aufgaben auf uns zu, die das zuvor noch einmal geübte Zählen etwas aus dem Ruder laufen lässt, denn jetzt werden nach und nach Zahlen vertauscht, ersetzt oder auf besondere Art und Weise performt.

Was sich hier etwas albern anhört, ist ein echter Spaß ab zwei Spieler, auch wenn hier wieder gilt, je mehr desto lustiger.

Sollte sich dabei herausstellen, dass eine Gruppe mal eine Aufgabe albern findet, wird die entsprechende Karte vor dem Spiel einfach aussortiert.

Kostprobe gefällig? Dann zählen wir mal durch unter Berücksichtigung aller Aufgaben, die nach und nach ins Spiel gekommen sind. Eine Runde könnte dann etwa so lauten:

1 – 2 – 3 – 4 – Muh – 6 – …. – 12 – 9 – 10 – „winke, winke“ – 8 – 13 – blau – 15 – rot – 17 – 18 – NEUNZEHN! – 20

Alles klar? Ihr werdet Tränen lachen …

CuBirds Box

CuBirds (Stefan Alexander, Board Game Circus)

CuBirds sieht hübsch aus und die Spielregeln sind sehr schnell verstanden und anderen erklärt. Doch bereits in der ersten Partie wird jedem sehr schnell klar, dass man CuBirds nicht einfach so aus dem Bauch herunterspielen kann. Ganz schnell beginnt man, genau zu schauen und zu planen, welche Karte(n) man nehmen oder ausspielen möchte. Die niedliche Grafik täuscht, ohne Taktik geht es nicht! Hinter CuBirds versteckt sich ein knallhartes Kartenspiel mit viel Tiefgang. Nicht selten spielt man mehrere Karten aus, um nur eine einzige zu bekommen. Am Ende hilft dann auch mal etwas Glück.

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Crew Box

Die Crew – Reist gemeinsam zum 9. Planeten (Thomas Sing, Kosmos)

… und neuerdings auch in die Tiefsee. Wenn es ein Spiel gibt, das den Jahrgang 2019/2020 geprägt hat, dann war es DIE CREW. Die seltene Mischung aus Stichspiel und Kooperation, macht es zu einem ganz besonderen Spielerlebnis, das seither Stichspiel-Fans und Stichspiel-Verweigernde, gleichermaßen begeistern kann.

Worum geht es also bei DIE CREW? Wir spielen gemeinsam ein Stichspiel, bei dem wir Runde um Runde versuchen, Aufgaben (Missionen) zu erfüllen. Gelingt uns dies, sind wir eine Runde weiter. Scheitern wir, fangen wir dieselbe Mission von vorne an. 50 Aufgaben oder „Missionen“ (Level) gilt es zu bewältigen, bevor wir den ultimativen Ruhmesstatus erreichen. Mit Die Crew – Mission Tiefsee, kann man sich jetzt auch noch an weitere 50 neue Missionen wagen.

Wer Stichspiele kennt weiß, wie schwer es ist viele Stiche zu machen, wenn man dies zuvor auch noch ansagen muss. Hier ist es etwas anders. Es ist meist egal, wer wie viele Stiche macht, Hauptsache die richtige Person bekommt mit ihrem Stich die erforderliche Karte. – Egal wie.

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LAMA Schachtel

L.A.M.A. (Reiner Knizia, Amigo Spiele)

Einfaches Kartenablegespiel mit hohem Fun-Faktor. Es gilt, möglichst als erster alle sechs Handkarten abzulegen. Gelingt dies einem anderen Spieler zuerst, bringt jede Handkarte entsprechend Ihrem Wert Minuspunkte. Es ist auch möglich, zu passen und sich mit seinen Restkarten zufrieden zu geben. Da doppelte Werte nur einfach zählen, kann man ruhig einmal mit 4 Handkarten aussteigen, wenn dies alles 1er sind.

L.A.M.A. war nominiert zum Spiel des Jahres 2019 und ist immernoch ein lustiges Spielchen für zwischendurch.

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Ramba Zamba Box

Ramba Zamba (Johannes Schmidauer-König, Game Factory)

Bei diesem schnellen Kartenspiel geht es nur um eins, fressen oder gefressen werden! Der Ablauf ist dabei recht simpel. Es gibt vier verschiedene Tierarten (Würmer, Hühner, Füchse, Hunde) jeweils in männlichen und weiblichen Varianten. Dazu noch ein paar Sonderkarten (Heuhaufen, Heugabeln, Bauern). Durch Ausspielen von Handkarten und Nachziehen von Karten versuchen wir vor uns genau fünf Karten einer Tierart zu sammeln und damit die Runde siegreich zu beenden. Anstatt in die eigene Auslage Karten zu spielen, ist es auch möglich, in eine Auslage eines Mitspielenden zu legen. Dann gilt das Recht des Stärkeren. Lege ich bei meinem Nachbarn aber zum Beispiel ein Huhn, so muss dieser zwei Würmer entsorgen. Anders herum legt meine Nachbarin bei mir einen Fuchs, sind die Würmer zwar geschützt, aber ich verliere zwei Hühner. Ein großes Hauen & Stechen, bei dem irgendwann irgendwer fünf gleiche Tiere vor sich liegen hat oder es durch Sonderkarten wieder zunichtegemacht wird. Schnell, chaotisch, unterhaltsam.

Skyjo Box

Skyjo (Alexander Bernhardt, Magilano)

Zwei Jahre war Skyjo ein Underdog, ein Geheimtipp. Doch dann, Ende 2017 der Durchbruch. 12 Karten in einem 4×3 Raster liegen zu Beginn vor uns. Werte von -2 bis 12 stehen dabei für Punkte, die man eigentlich gar nicht will. Zwei Karten der Auslage liegen bereits offen. Ziel ist es, durch nachziehen und austauschen, seine Auslage Stück für Stück offen zu legen und am Ende die wenigsten Punkte zu haben. Das Spiel funktioniert in fast jeder Runde und immer wieder aufs Neue macht es Spaß. Emotionaler Dauerbrenner, den man einmal gespielt haben muss.

The Mind

The Mind (Wolfgang Warsch, NSV)

Das derzeit wohl ungewöhnlichste kooperative Ablegespiel auf dem Markt. Beginnend mit einer Handkarte, kommt in jeder Runde eine weitere hinzu. Das einzige was zu tun ist, ist die Karten in der richtigen Reihenfolge auf den Ablagestapel zu legen. Aufsteigend und fehlerfrei. Dabei gibt es auch keine Reihenfolge. Wer die passende Karte hat, der legt diese ab.

Einziger Haken: es darf nicht gesprochen werden!

Absolut faszinierend daran ist, dass es immer wieder funktioniert. Warum? keine Ahnung. Vielleicht höhere Mächte oder gar DIE Macht?

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tippi toppi boxxi

Tippi Toppi (Ken Gruhl, Schmidtspiele)

Neu, unscheinbar und mit einem banalen Titel, kommt dieses kooperative Ablegespiel daher. Jeder hat vier Handkarten und muss eine davon auf einen der vier Ablagestapel passend legen. Zahl auf Zahl, Farbe auf Farbe, so wie man es kennt. Gleichzeitig wird versucht, eine von vier ausliegenden Aufgabenkarten zu erfüllen. Gelingt dies, kommt eine neue Aufgabe ins Spiel. Ist der Nachziehstapel aufgebraucht, bevor alle Aufgaben erledigt sind, hat die Gruppe verloren.

wizard box

Wizard (Ken Fisher, Amigo Spiele)

Wenn es um Kartenspiele geht, darf Wizard nicht fehlen. Dieses Stichspiel ist zugegeben, nicht ganz neu (aus dem Jahr 1984!). Aber immer noch gehört es zu meinen persönlichen Favoriten bei den Stichspielen. Wie oft haben meine Handballkollegen und ich nach dem Training Wizard gespielt? Ich weiß es nicht! Es waren unzählige Partien. Einfach ist das Ganze jedoch nicht. Es gilt, seine eigenen Handkarten richtig einzuschätzen und die Anzahl der eigenen Stiche richtig vorherzusagen. Nur dann gibt es Pluspunkte. Der Clou: in jeder Runde bekommt man eine Karte mehr auf die Hand.


So, das waren unsere Top10 Kartenspiele 2021, auch wenn ältere Titel darunter sind.

Wir hoffen, ihr seid unserer Meinung und wir haben kein Kartenspiel unterschlagen. Solltet ihr anderer Meinung sein, oder ein Spiel vermissen, schreibt es gerne in die Kommentare.


Hinweis:

Bei dieser Liste handelt es sich um eine persönliche Top10.
Es ist uns bewusst, dass es noch viele, viele Kartenspiele gibt. Die meisten haben wir wahrscheinlich nie gespielt und kennen sie auch nicht.
Es ist also keine allgemeine Top10 die auf Fakten, Statistiken, Umfragen o.ä. beruht, sondern einzig und alleine UNSERE Liste mit UNSEREN Tops. Wir hätten also auch „10 Tipps“ schreiben können.
Und da wir die Kartenspiele auch nicht bewerten oder ranken wollen, haben wir auf Positionsnummern verzichtet und alphabetisch sortiert. Völlig wertfrei.


(c) Oliver Sack, 22.06.2021 – alle Rechte vorbehalten