In unserer Reihe „Neues vom SpieltischRand“, widmen wir uns heute einem Thema, dass uns alle bestimmt schon mehrfach beschäftigt hat. Der Spieldauer und den entsprechenden Angaben von Autoren und Verlagen.

Gedanken zur Spieldauer

Unlängst bin ich in der Spielbox (2/2019) über einen Satz gestolpert, der mich nachdenklich gemacht hat. Was will mir der Verfasser sagen, wenn er schreibt: „…dauert aber nur etwa eine Stunde und ist somit überschaubar.“? Welchen Informationsgehalt hat diese Aussage? Sind zu lange oder zu kurze Spiele schlecht? Und überhaupt, was ist „lang“ was „kurz“? Für mich sind die Verlagsangaben zur Spieldauer mehr eine grobe Information zum Zeitmanagement und keine brauchbare Aussage zur Qualität des Spiels. Oder verstehe ich den Autor hier völlig falsch und interpretiere hier etwas hinein, was nicht da ist? Und wenn, ich nehme es einfach mal zum Anlass, mir meine Gedanken darüber zu machen. Ich habe mich auch völlig spontan dazu entschieden, meine (zugegeben manchmal wirren) Gedanken in die Tastatur meines iPad zu klöppeln.

Spieldauer-MythenWie gesagt, für mich ist die Angabe auf der Spielschachtel ein reines Planungsutensil und wenn ich mal eine Partie früher beende oder die Zeiten deutlich überschreite? Hab ich dann falsch gespielt? Das Spiel gar nicht verstanden? Nein! Denn es ist mir völlig egal wie lange ich dazu brauche. Solange ich und meine Mitspieler Spaß haben, ist die Spielzeit lediglich peripher relevant, also völlig Wurscht. Dann beeindruckt mich auch nicht unbedingt die Anwesenheit eines Timers. Wobei? Es gibt ja auch Spiele mit Sanduhr, wie z. B. „5-Minute-Dungeon“ oder auch „Magic Maze“. Hier ist das einhalten der Zeitvorgabe ein wesentlicher Bestandteil vom Spielspaß. In diesen Fällen achte ich dann schon ein wenig penibler auf die Zeit.

Wenn ich Bock habe auf ein Spiel, dann spiele ich es. Daran ändert meist auch keine Zeitangabe etwas. – Außer es tangiert den Tagesplan in irgendeiner Weise. – Der eine oder andere kennt die Exit-Game-Reihe „Unlock!“ von den Space Cowboys. Ich bin ein bekennender Fan dieser Reihe. Hier hatte ich einmal ein Szenario, bei dem wir die 60 Minuten Vorgabe um satte 77 Minuten überzogen hatten. Zu lang? Zu doof? Nein, es war uns irgendwann einfach egal wie lange wir brauchten. Wir wollten es ohne Hilfe schaffen und wir hatten Spaß. Spaß, das war es was am Ende neben dem Erfolg zählte. Die überzogene Zeit war nur ein kleiner Kratzer im Lack. (Interne Memo an S. & S.: nein, wir hauen mit dem Hammer nirgends mehr drauf!)

Das war aber bislang kein Einzelfall. Mal 60, mal 150 Minuten für ein „Great Western Trail“. Mal über 4 Stunden für das Start-Szenario bei „Robinson Crusoe“. Und immer hatten wir Spaß.

Es gibt allerdings einen Fall, in dem die angegebene Zeit mehr ist als nur eine Planungsgröße für den Spieleabend. Dann, wenn es um die Kleinen geht. Bei Kinderspielen finde ich die Spielzeit sehr wichtig und essenziell für das Spiel. Warum? Wer Kinder hat, der weiß was ich meine. Kinder können sich je nach Alter nur eine bestimmt Zeit lang konzentrieren. Haben sie Spaß bei dem was sie gerade tun, durchaus auch mal etwas länger aber dann ist die Luft raus. Spaß hin oder her. Deshalb ist die Spieldauer bei Kinderspielen so wichtig. Bei allen anderen Spielen ist mir der Zeitfaktor wie gesagt völlig egal.

Manchmal wird einem aber auch vom Spiele-Autor nicht die Zeit gegönnt, die man eigentlich bräuchte um all die geplanten Vorhaben in die Tat umzusetzen. Da hat man ganze 5 Runden lang geplant und auf die ultimative, finale 7. Runde hingearbeitet und dann? Dann ist das Spiel nach der sechsten Runde zu Ende! Das ist doch Absicht! Oder gar eine Zeit-Verschwörung an uns Spieler?

Abschließend möchte ich aber noch ein Aspekt der Vollständigkeit halber anmerken. Nichts Besonderes und jeder kennt es. Gute Spiele vergehen wie im Flug und keiner merkt, wie die Zeit verrinnt. Weniger gute Spiele ziehen sich unsagbar in die Länge und man spielt nur aus Anstand zu Ende. Dies lässt jetzt folgerichtig vermuten: Gute Spiele sind kurz, schlechte sind lang.

 

Ich weiß nicht, wie Ihr es seht, würde mich aber freuen, Eure Meinung unten in den Kommentaren zu lesen.

In diesem Sinne, es ist schon spät, ich muss weg …

Diese nicht ganz ernst gemeinte Analyse der Spieldauer erscheint im Rahmen unserer Serie „Neues vom SpieltischRand“. Für weitere Folgen suchen wir immer neue Ideen.

In der Reihe „Neues vom SpieltischRand“ sind bereits erschienen:

#01 Der „Passiv-Spieler“
#02 Der „Denker“
#03 Das „Opfer“
#04 Der „Regel-Erklärer“
#05 Der Würfel
#06 „Besondere“ Rezensionen
#07 Der „Alpha-Spieler“

© Oliver Sack, 2019 – Titelbild Fotomontage: Oliver Sack – Alle Rechte vorbehalten. – Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung.

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